La festa delle Marie: Hochzeitssponsor Venedig

Laut einer Legende wurden unter dem Dogen Pietro Candiano alle Hochzeiten in Venedig an einem einzigen Tag im Jahr gefeiert (Frühes Mormonen-tum?) und die Bräute im Rahmen eines Umzugs vom Arsenal, entlang des Rio delle Vergini (Jungfrauenfluss), bis zur Kirche San Pietro di Castello, wo die Ehemänner schon mit den Gästen warteten, geleitet.

Am 31. Januar des Jahres 944 wurde der Umzug jedoch von Piraten aus Triest überfallen und die Bräute mitsamt der Mitgift gestohlen. Die Piraten flüchteten nicht weit entfernt in die Bucht bei Caorle, die heute noch Porto delle donzelle (Fräuleinhafen) genannt wird, und es brauchte nicht lange bis eine venezianische Expedition ihren Unterschlupf ausfindig machte und die Mädchen mitsamt Mitgift wieder sicher nach Venedig zurück brachten.

Carnival ballo
Incisione di G. Franco Source: „Guida insolita di Venezia“ p.104

Im Gedenken an diesen fulminanten Sieg wurde es 12 venezianischen Patrizierfamilien zur Aufgabe gemacht jedes Jahr für die Mitgift der 12 schönsten und virtuosesten (aus armen Verhältnissen stammenden) Mädchen zu sorgen: Diese 12 Schönheiten wurden „Marie“ genannt, da die Flotte am 2. Februar – am Tag der Purificazione di Maria (Maria Lichtmess) – nach der Schlacht bei Caorle Heim kam.

Von diesem Tag an wurden jedes Jahr am 2. Februar 12 Mädchen nach San Pietro di Castello gebracht um dort den Segen des Bischofs zu erhalten um diese anschließend zur Basilika und zum Dogen zu geleiten. Doch das Fest artete jedes Jahr weiter aus und die Marien wurden buchstäblich mit Juwelen und Reichtümern überschüttet, was zu Neid, Streitereien und Eifersucht führte und am Ende wurde es immer schwieriger die jährlichen „Gewinnerinnen“ ausfindig zu machen, denn eine Maria zu werden bedeutete das komplette Leben ausgesorgt zu haben!

Aus diesem Grund wurde im Jahr 1272 die Anzahl der Marien auf 4 Mädchen reduziert, dann auf drei und schlussendlich wurden als Ersatz 12 überlebensgroße Marien aus Holz gefertigt, die für den Umzug herhalten mussten, und die aufgrund ihrer Größe marione genannt wurden.

Aber der venezianische Handelsgeist übernahm auch hier bald die Oberhand und so wurden die Marien alsbald auch im Kleinformat hergestellt, die sogenannten marionette: Ganz genau, richtig gelesen, die kleinen beweglichen Puppen die anhand von zahlreichen Fäden zum Leben erweckt werden verdanken ihren Namen der venezianischen Tradition der Marie.

Das Fest der Marien wird heutzutage im Rahmen des Karnevals in Venedig erneut veranstaltet und die Gewinnerin, das heißt die Schönste der 12 venezianischen Mädchen, darf das darauffolgende Jahr vom Glockenturm am Markusplatz bis zum Gran Teatro di San Marco beim Engelsflug herabschweben.